30.7.2919 - Vom blauen Himmel und Bananen

Radio Hindukusch Tag 4/2:

 

Über den Bergen im Süden haben sich die Wolken zusammengezogen und es hat auch bei uns ein bisschen genieselt. Der Zeltplatz ist staubig und der Dreck kriecht in jede Ritze und saukalt ist es auch. Letzter Blick zurück bevor wir morgen über den Pass radeln und den Wakhan endgültig verlassen: Die Abendsonne scheint mit letzte roten Strahlen durch die Wolkendecke und die Bergketten in Afghanistan und Pakistan leuchten. Schon ziemlich grandios. Nachts Atemnot wegen Höhe.

 

 

 

 

Radio Hindukusch Tag 5:

 

Über Nacht hat der Wind gedreht, tiefe Wolken, Nebel und kalt. Scheißnacht und Scheißmorgen. Ich will schnell los aber Niko will noch kochen. Als wir loskommen regnet es. Der Pass ist 12km und 200hm weiter. Als wir endlich da sind, steht da nicht einmal ein Schild oder Steinmandl, nix ... nach 2,5 Tagen Plagerei. Der Weg runter ist ein einziger Frust. Letztendlich brauchen wir für die letzten 20 km fast den ganzen Tag, weil wir das Rad auch bergab durch den Sand und über die Felsbrocken schieben müssen. So frustig. Der Regen holt uns mal ein, mal ist es nur windig. Als wir ENDLICH zurück auf den Pamir Highway kommen ist die Freude groß. Ich küsse den Asphalt. Die 25km nach Alichur fahren wir in einer knappen Stunde. Es geht bergab auf 3800m und wir gaben Rückenwind. War es das wert? Der Wakhan? Da bin ich mir nicht sicher. Ich bin froh, dass ich‘s gemacht hab, aber bestimmt nicht nochmal.

 

 

 

 

 

Tag 6  -aus Radio Hindukusch wird Radio Pamir:

 

Was für ein Tag: Blauer Himmel ... und was für ein Himmel. In der Höhe ist das Blau ein Stück weit dunkler, die Konturen der Berge und Felsen schärfer und selbst die wenigen Farben zwischen grau, grün, rot und gelb leuchten. Dazwischen die Straße wie ein dünnes Band. Kein Photo kann das wiedergeben ... egal wie oft ich auf den Auslöser drücke.

So bleibe ich ab und zu stehen und sitze auf der warmen Straße und versuche mir die Bilder einzuprägen. Die unbehauene, karge, weitgehend unberührte Natur.... so ursprünglich, als wäre die Landschaft gerade erst entstanden und die erste Gräser versuchen sich hier anzusiedeln. Gleichzeitig gibt es Blumen und Gewächs mit leuchtend bunten Blüten. Und wo ein Bach sich durch die Mondlandschaft windet, wird es grün und das Gras wächst satt in dicken Matten. Es gibt Murmeltiere, fette Viecher. Natürliche Feinde scheinbar selten. Und Yaks ... und selten Kamele.

 

 

Der Rückenwind bläst uns 100 km nach Murghab. Die Megametropole. Es gibt  ein Hotel und Läden. Ich hab Bananen gefunden! Hier jetzt erstmal einen Tag rasten. Mir ist immer noch schwindlig und nachts schlaf ich nicht wegen gefühlter Atemnot und Sauerstoffmangel. Der nächste Pass geht auf 4700 und an sich möchte ich auf den Gipfel neben dem Pass. ich muss dringend besser akklimatisieren: Viel trinken und ausruhen. Und Bananen essen.

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Kommentare: 1
  • #1

    Helmut (Dienstag, 30 Juli 2019 12:19)

    Erst mal Danke! an Radio Hindukush bzw. Pamir! Der Kontakt ist wirklich eine große Beruhigung für uns.
    Danke auch an Stefan für Bilder und Nachrichten, und gute Wünsche für den nächsten Pass.
    Ich verfolge die Strecke auf google maps und schau die Bilder an, gewaltig und manchmal auch strange: z.B Lenin in Murghab und den Pik Karla Marksa - wie hat es die dahin verschlagen und was haben sich die Einheimischen gedacht, als man sie mit diesen Errungenschaften beglückt hat.
    Für Stefan: Ich hab was in "Kontakte" reingeschrieben - Visaverlängerung CN und Visum RU , kommt das bei Dir an?
    Hotelempfehlung: Kara kol lake Yurt camp (google maps)
    Alles Gute Lao Ha